Kann sich ein junges Paar 2025 noch ein Haus leisten?
Eine umfassende Analyse zu Neubaukosten, Einkommen und finanzieller Realität in Nordrhein-Westfalen (NRW).
1. Einleitung
1.1 Die Leitfrage: Ist Wohneigentum für junge Paare 2025 noch erreichbar?
Der Traum vom eigenen Haus gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Lebenszielen junger Menschen in Deutschland. Doch während Baupreise, Grundstückskosten und Zinsen steigen, stagniert das mittlere Einkommen vieler Haushalte. Die zentrale Frage lautet daher: Kann sich ein durchschnittliches junges Paar ein Eigenheim überhaupt noch leisten – und wenn ja, unter welchen realistischen Bedingungen?
Diese Analyse nähert sich dem Thema von zwei Seiten:
- Was kostet ein Neubau 2025 tatsächlich in NRW?
- Wie viel kann ein typisches Paar verdienen und realistisch tragen?
1.2 Warum offizielle Zahlen oft geschönt sind
Viele Baukalkulationen zeigen bewusst optimistische Werte:
- Prospektpreise enthalten keine Nebenkosten
- Grundstückspreise werden auf günstige Lagen bezogen
- Ausstattung wird unterbewertet
- Finanzierungsrechner verwenden unrealistisch niedrige Zinssätze
Wir rechnen daher konservativ-realistisch auf Basis belastbarer Zahlen aus NRW.
1.3 Methodik
Zahlen basieren u. a. auf:
- Statistisches Bundesamt (Destatis)
- IT.NRW (Information und Technik Nordrhein-Westfalen)
- Bundesbank
- IW Köln / DIW Berlin
- Verbraucherzentralen
- Kommunale Angebote (z. B. Gemeinde Niederzier)
2. Was kostet ein Neubau in NRW wirklich?
2.1 Baukosten pro m²
- Reale Baukosten (Massivhaus): 2.800–3.000 €/m²
- Quelle: Destatis 2024, +3 % pro Quartal in 2025
Quelle: Destatis, "Baukosten genehmigter Wohnbauten "
🧱 Beispiel-Angebot für ein Einfamilienhaus (140 m²)
Basierend auf einem realen Angebotsbeispiel , mit realistischen Werten für NRW 2025. Alle Preise inkl. MwSt. Die Preise wurden durch Angebotsanfragen bei bekannten und befreundeten Handwerkern bestätigt. Der allgemeine Konsens war, dass dies Preise sind, die man nur aufrufen würde, wenn man wenig Arbeit im Vorlauf hätte und nach Verhandlungen.
1. Baukörper / Ausbau
(Summe: 335.000 €)
- Baustelleneinrichtung (Gerüst, Baustrom, Bauzaun, WC) – 5.000 €
- Erdarbeiten – 20.000 €
- Entwässerungs- & Dränarbeiten – 2.000 €
- Rohbauarbeiten – 135.000 €
- Zimmer- & Holzbauarbeiten – 12.000 €
- Dachdeckerarbeiten – 14.000 €
- WDVS / Fassadendämmung – 30.000 €
- Innenputzarbeiten – 14.000 €
- Fliesenarbeiten – 14.000 €
- Estricharbeiten – 10.000 €
- Fensterarbeiten – 30.000 €
- Hochwertige Haustür – 5.000 €
- Innentüren / Tischlerarbeiten – 5.000 €
- Baureinigung – 1.000 €
- Trockenbau – 12.000 €
- Glaserarbeiten – 2.000 €
- Schlosserarbeiten – 5.000 €
- Malerarbeiten – 7.000 €
- Bodenbeläge (Parkett etc.) – 12.000 €
➡️ Summe Baukörper: 335.000 €
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2. Technische Gebäudeausrüstung (TGA)
(Summe: 85.000 €)
- Heizung: Wärmepumpe + Fußbodenheizung – 30.000 €
- Sanitär – 22.000 €
- Lüftungsanlage – 8.000 €
- Elektroinstallation – 15.000 €
- PV-Anlage (ohne Speicher) – 10.000 €
➡️ Summe TGA: 85.000 €
🔥 Gesamtkosten Hausbau
335.000 + 85.000= 420.000 €
Damit liegt das Haus bei:
👉 3.000 € pro m² bei 140 m² Wohnfläche
3. Baunebenkosten
Unter Baunebenkosten fallen alle Leistungen, die nicht direkt am Haus gebaut werden:
3.1 Technische Bearbeitung (Planung & Statik) – 50.000 €
- Vorplanung & Entwurf
- Genehmigungsplanung
- Ausführungsplanung
- Bauleitung
- Tragwerksplanung / Statik
- TGA-Planung
- Blower-Door-Test
- Nachweise (z. B. Brandschutz, Energie)
3.2 Weitere Baunebenkosten – 15.000 €
- Baugenehmigung / Abnahmegebühren – 1.500 €
- Hausanschlüsse (Strom, Wasser, Abwasser, Telekom) – 9.000 €
- Vermesser – 3.000 €
- Bodengutachten – 1.500 €
👉 Baunebenkosten: 65.000 €
4. Außenanlage
- Zaun, Rasen, Bepflanzung, Pflaster – 20.000 €
- Einfache Garage – 20.000 €
➡️ Außenanlage : 40.000 €
📘 Gesamtsumme Beispielangebot (ohne Grundstück)
| Bereich | Kosten |
|---|---|
| Hausbau (Baukörper + TGA) | 420.000 € |
| Baunebenkosten | 65.000 € |
| Außenanlagen | 40.000 € |
| Gesamt | 525.000 € |
2.2 Grundstückspreis in NRW
- Beispiel Niederzier (NRW, ländlich): 250 €/m² für kommunale Baugrundstücke
Quelle: Gemeinde Niederzier, Baugebiet Krauthausen, https://www.niederzier.de/...
Grundstück 600 m² → 150.000 €
2.5 Reserve
- Sicherheitszuschlag (5–10 %): 30.000 €
2.6 Gesamtsumme Beispielprojekt
| Kostenblock | Betrag |
|---|---|
| Hausbau (140 m²) | 420.000 € |
| Grundstück (600 m²) | 150.000 € |
| Baunebenkosten | 65.000 € |
| Außenanlagen | 40.000 € |
| Reserve | 30.000 € |
| Gesamt | 705.000 € |
3. Einkommen und finanzielle Belastbarkeit eines Paars in NRW
3.1 Warum der Median wichtiger ist als der Durchschnitt
In politischen Debatten wird häufig vom „durchschnittlichen Einkommen“ gesprochen. Das ist jedoch problematisch, weil der Durchschnitt stark durch sehr hohe Einkommen verzerrt wird.
Beispiel:
- 9 Personen verdienen 2.000 €
- 1 Person verdient 20.000 €
→ Durchschnitt: 3.800 € → Realität für 90 % der Menschen: 2.000 €
Deshalb verwenden Institute wie:
- IW Köln
- DIW (SOEP)
- EU-SILC (Eurostat)
den Median: der Einkommenswert, bei dem 50 % mehr und 50 % weniger verdienen.
👉 Nur der Median zeigt wirklich, was ein „typisches“ Paar verdient.
3.2 Bruttoeinkommen eines typischen Paars in NRW
Laut Destatis (Verdiensterhebung):
- Median-Bruttolohn Vollzeit Deutschland 2024: ≈ 3.693 € brutto
- NRW: ≈ 3.500–3.650 € brutto
Damit ergibt sich:
Brutto pro Person≈3.600€⇒Brutto pro Paar≈7.200€Brutto pro Person≈3.600€⇒Brutto pro Paar≈7.200€
Diese Bruttowerte sind offiziell und belastbar.
3.3 Wie wir von Brutto zu Netto kommen
Standardfall für Paare: Steuerklasse IV/IV
Bei 3.600 € brutto pro Person ergeben sich real folgende Abzüge:
- Lohnsteuer: 330–360 €
- Rentenversicherung: 340–360 €
- Krankenversicherung: 290–310 €
- Pflegeversicherung: 60–70 €
- Arbeitslosenversicherung: 45–50 €
Ergebnis:
👉 Netto pro Person: ca. 2.150–2.250 €
Damit:
Netto pro Paar: 4.300–4.500 €Netto pro Paar: 4.300–4.500 €
Diese Zahl ist klar herleitbar und realistisch.
3.4 Warum dieses Netto entscheidend ist
Viele Medien nennen pauschal „3.500–4.000 € Netto pro Paar“. Sauber betrachtet ergibt sich diese Zahl aus der Brutto-Median-Umrechnung – nicht aus Netto-Erhebungen.
Mit unserer Berechnung ist klar:
- Netto pro Person: ≈ 2.200 €
- Netto pro Paar: ≈ 4.400 €
👉 Genau dieses Einkommen bestimmt die reale Leistbarkeit eines Neubaus.
3.5 Sparfähigkeit eines normalen Paars
Laut Statistischem Bundesamt (2025):
- Durchschnittliche Sparquote: 10,3 %
Bei 4.300–4.500 € netto:
- theoretische Sparsumme: 430–450 €
- realistisch (Miete, Inflation, Alltag): 500–800 € pro Monat
Das setzt voraus:
- beide arbeiten Vollzeit
- keine Schulden
- keine starken Zusatzkosten
- keine längeren Teilzeitphasen (z. B. wegen Kindern)
3.6 Zeit bis zum notwendigen Eigenkapital
Ein Neubau in NRW erfordert real:
- 15 % Eigenkapital
- Nebenkosten
- Rücklagen für Küche, Möbel, Außenanlagen
➡️ 120.000–130.000 € Eigenkapital
Sparzeit bei 700 €/Monat:
125.000÷700≈178 Monate≈14,8 Jahre125.000÷700≈178 Monate≈14,8 Jahre
👉 12–15 Jahre, wenn das Paar durchgehend spart.
Ein Paar, das mit 25 beginnt, erreicht das notwendige EK mit 37–40 Jahren.
3.7 Monatliche Kreditbelastung
Typischer Neubau:
- Gesamtkosten ca. 700.000 €
- Kreditbedarf: ca. 600.000 €
- Zins 2025: ≈ 3,5 %
- Tilgung: 2 %
Annuität:
Zins+Tilgung=5,5%Zins+Tilgung=5,5%600.000×0.055=33.000 €/Jahr600.000×0.055=33.000 €/Jahr
Pro Monat:
👉 2.750–3.000 € Kreditrate
3.8 Laufende Kosten nach Einzug
Zusätzlich fallen monatlich an:
- Energie (Strom + Heizung): 200–250 €
- Wasser + Abwasser: 40–60 €
- Müll: 15–30 €
- Grundsteuer: 25–40 €
- Gebäudeversicherung: 25–35 €
- Internet/Telefon: 30–50 €
- Instandhaltungsrücklage: 150–250 €
- Garten/Kleinmaterial: 20–40 €
👉 Gesamt: 600–800 € pro Monat zusätzlich
3.9 Gesamtbelastung eines typischen Paars
BereichKosten
Kreditrate
2.750–3.000 €
Nebenkosten Haus
600–800 €
Gesamtbelastung
3.350–3.800 € / Monat
Ein Paar mit medianem Netto von 4.300–4.500 €:
- kann keine monatliche Belastung von 3.500–3.800 € tragen
- schafft nicht einmal die Kreditrate von 2.750–3.000 €
➡️ Neubaufinanzierungen dieser Größenordnung sind nur für die obersten 20 % der Einkommen erreichbar.
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4. Fazit
- Neubau eines Einfamilienhauses kostet 2025 in NRW über 700.000 € selbst in kommunal erschlossenen Gebieten.
- Selbst gutverdienende Paare müssen über ein Jahrzehnt sparen, um Eigenkapital und Kaufnebenkosten zu stemmen.
- Die monatliche Kreditbelastung von um die 3.000 € ist für 80 % der Haushalte nicht tragbar.
Fazit: Wohneigentum ist 2025 für durchschnittliche Haushalte in NRW kaum noch erreichbar, selbst bei stabilen Zinsen und unterdurchschnittlichem Grundstückspreis.
